Man kennt die Geschichte der steinreichen Claire Zachanassian, die
seinerzeit mit Schimpf und Schande sowie einem unehelichen Kind
die Kleinstadt Güllen verlassen musste. Sie machte in ihrer neuen
Heimat ein Vermögen und kehrte als «alte Dame» nach Güllen zurück.
Mit dem «unmoralischen» Plan, den Bürgern eine Milliarde zu
schenken, sofern diese bereit sind, den einstigen Kindsvater der
Klara umzubringen.
Mit dem Motiv einer geradezu klassischen Tragödie verknüpfte
Friedrich Dürrenmatt durchaus komödienhafte Szenen, die Rache,
Geld und Geist auf der Bühne vereinen. Das Stück ist laut Autor
Peter Voellmy «mit seinem Thema der Käuflichkeit einer ganzen
Stadt eine lächerliche Groteske», die er im kommenden Sommer in
einer Mundartfassung im Freilichttheater Aarau zeigen will.
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Bereits die zehnte Spielzeit
Nach Inszenierungen im historischen Bereich (vom helvetischen
«Rebell» 1998 über das «Fähnlein der sieben Aufrechten» 2002 bis
zum «Leben des Heinrich Pestalozzi» 2005) sei es laut Regisseur
Voellmy «an der Zeit, ein modernes Stück auf der Bühne vor dem
Aarauer Schlössli aufzuführen».
Das Freilichttheater brauche in der zehnten Spielzeit «neuen
Schwung und Lebendigkeit». Wobei «Annäherungen an die Kleinstadt
Aarau» vorkommen werden, aber nicht «anprangerisch» oder gar
«moralisierend», betont der Autor. Das Freilichttheater erhoffe
sich «durch eine moderne und dynamische Inszenierung einen
Neubeginn».
Durch den Einsatz von Autowracks, von alten Containern und einer
Hebebühne wird laut Voellmy die wirtschaftliche Krisensituation
der Stadt Güllen spürbar. Hoffnung keimt, mit der Spende der
zurückkehrten Klara alias Claire Zachanassian wieder zu Wohlstand
und zum Erfolg zu kommen.
Bis die Leute von Güllen der Verführung des Geldes erliegen und
die Geschichte ihr tragisches Ende findet. Und auch Claire erhält,
was sie von Anfang an wollte, nämlich den Tod ihres verflossenen
Liebhabers.
Güllen mit Aarauer Bezügen
Für Voellmy ist bei dieser «kulturellen Arbeit» auf der Bühne
entscheidend, dass «der Bezug zum Ort und der Gegend, in der das
Stück realisiert wird, sehr wichtig ist». Ist aber Aarau
gleichzusetzen mit dem Dürrenmattschen Güllen? «Diesen Fragen wird
die Inszenierung auf eine subtile Weise nachgehen», verspricht
Voellmy.